
Yasmine Hamdan
Bio- und Diskografie von Yasmine Hamdan

Musikrichtung: Elektronischer Indie-Pop
- Herkunftsort: Beirut (Libanon)
- Nationalität: Libanon
- Musikkarriere: seit 1997
- Offiziele Website: https://www.yasminehamdan.com/
Biografie:
Yasmine Hamdan: Die Stimme des arabischen Undergrounds
Zwischen Beirut und Paris, zwischen schmerzhafter Erinnerung und elektronischer Ekstase: Yasmine Hamdan ist weit mehr als eine Sängerin. Sie ist das Gesicht einer kulturellen Revolution, die den Orient und den Westen in einem völlig neuen Licht verschmelzen lässt.
Stell dir vor, du sitzt in einem verrauchten Club in Beirut, Ende der 90er Jahre. Der Bürgerkrieg ist gerade erst vorbei, die Stadt vibriert vor unterdrückter Energie. Auf der Bühne steht eine junge Frau, die alles verändert. Mit dem Duo Soapkills brachte Yasmine Hamdan damals den Indie-Electro in die arabische Welt und wurde über Nacht zum Star einer Generation, die sich nach Freiheit sehnte.
Heute, Jahrzehnte später, ist ihr Status als Pionierin unantastbar. Doch Yasmine ruht sich nicht auf Lorbeeren aus. Sie ist eine Reisende – geografisch wie musikalisch.

Paris, Jarmusch und die Suche nach dem wahren Ich
Nach ihrem Umzug nach Paris im Jahr 2005 begann eine Phase der globalen Experimente. Zuerst kam das Projekt Y.A.S. mit Mirwais (dem Produzenten hinter Madonnas „Music“), eine glitzernde Fusion aus Club-Sounds und arabischem Pop. Doch erst solo fand sie ihre wahre, tiefgründige Stimme.
Mit dem Album Ya Nass (2013) und der Zusammenarbeit mit Marc Collin (Nouvelle Vague) katapultierte sie sich endgültig in das Bewusstsein des Westens. Unvergessen bleibt ihr Auftritt im Jim-Jarmusch-Film Only Lovers Left Alive: In einer Szene singt sie den Song „Hal“, während Tilda Swinton ihr wie gebannt lauscht. Dieser Moment war pure Magie und brachte ihr fast eine Oscar-Nominierung ein.
Al Jamilat: Zwischen sanften Tönen und purer Rebellion
Vier Jahre später, 2017, legte sie mit Al Jamilat („The Beautiful Ones“) nach – ein Album, das politischer, verspielter und gleichzeitig wütender vibriert. Produziert an der Seite von Luke Smith (Foals, Depeche Mode) und Leo Abrahams (Brian Eno), entfaltet sich hier ein Werk voller faszinierender Kontraste. Elektronische Texturen reiben sich an klassischen arabischen Gesangstechniken, während eine Riege von Ausnahme-Musikern wie Steve Shelley (Sonic Youth) oder Shahzad Ismaily (Lou Reed) für den nötigen Indie-Druck sorgt.
I Remember I Forget: Ein Heilungsprozess in Beats
Nach einer längeren Pause markiert das Jahr 2025 ihre Rückkehr mit einem Werk, das tiefer geht als alles zuvor. „I Remember I Forget“ ist nicht nur ein Album – es ist eine Verarbeitung. Entstanden im Schatten der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut 2020 und dem wirtschaftlichen Zusammenbruch ihrer Heimat, suchte Yasmine Zuflucht in der Stille Siziliens. Zwischen Olivenbäumen und dem Rauschen des Meeres fand sie die Kraft, den Schmerz in neue Songs zu verwandeln.
Wieder mit an Bord: Ihr langjähriger Weggefährte Marc Collin. Gemeinsam haben sie einen Sound erschaffen, der sich wie eine „digitale Diaspora“ anfühlt.
Der Sound: In Songs wie „Hon“ (Hier) thematisiert sie das Zerrissen-Sein zwischen dem sicheren Paris und dem leidenden Beirut.
Die Experimente: Sie nutzt „Tarweeda“-Gesänge – eine Sprache palästinensischer Frauen aus der osmanischen Zeit – und bettet sie in moderne, hypnotische Elektro-Grooves ein.
Die Atmosphäre: Von clubbigen Rhythmen in „Abyss“, die die politische Elite Libanons verspotten, bis hin zu meditativen Hymnen wie „Reminiscence“, die Hoffnung auf einen neuen Morgen machen.
Das Album-Cover, ein altes Kinderfoto von Yasmine im Pierrot-Kostüm, schließt den Kreis: Es ist eine Reise zurück zur eigenen Unschuld, während sie gleichzeitig die harte Realität der Gegenwart mit erhobenem Haupt konfrontiert.

Zwischen Ruinen und Scheinwerferlicht: Eine Reise zu sich selbst
Yasmine Hamdan ist und bleibt eine der wichtigsten Botschafter des arabischen Undergrounds. Sie hat es geschafft, die Klischees von „Weltmusik“ hinter sich zu lassen und stattdessen eine universelle Sprache zu finden, die im Berghain genauso funktioniert wie in einem Opernhaus in Sydney. Ihr Weg von den verrauchten Clubs in Beirut bis hin zu den großen Leinwänden Hollywoods zeigt: Wahre Kunst braucht keinen Pass, sie braucht nur eine ehrliche Stimme.
* Titelbild: Foto: © Ylias Nao
Diskografie:
Soapkills:
2000
Bater
2002
Cheftak
2005
Enta Fen
2015
The Best of Soapkills
Y.A.S.:
2009
Arabology
Yasmine Hamdan:
2013
Ya Nass
2017
Al Jamilat
2018
Jamilat Reprise
2025
I remember I forget
5 Songs:
Die Food'n'bass Playlist:
YouTube
Spotify
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