Rocé Rapper
Rap/Hip-Hop,  Frankreich,  Europa

Rocé

Frankreich - Food & Musik
Algerien
0,0
0,0 von 5 Sternen (basierend auf 0 Bewertungen)
Musikrichtung: Rap/Hip-Hop
Biografie:
Rocé: Das Gewissen des französischen Rap zwischen Asphalt und Poesie

In der schillernden Welt des französischen Hip-Hop gibt es jene, die Trends jagen, und jene, die Fundamente gießen. Rocé gehört zweifelsfrei zur zweiten Kategorie. Geboren als José Youcef Lamine Kaminsky am 5. Januar 1977 in Algier, ist er weit mehr als nur ein Rapper.

Er ist Archivar des Widerstands, studierter Beobachter der Gesellschaft und ein MC, für den das Mikrofon ein „Sportgerät im Kampf gegen die Ungerechtigkeit“ bleibt. Während andere sich im Glanz von Goldketten sonnen, gräbt Rocé tiefer – dorthin, wo der Asphalt auf die Geschichte trifft.

Rocé Rapper
Foto: © Tosma Haristoy
Wurzeln des Widerstands: Von Algier ins 9.4.

Schon die Wiege von Rocé stand im Zeichen des Aktivismus. In Bab El Oued, einem Viertel von Algier, kam er als Sohn einer algerischen Mutter und des legendären Vaters Adolfo Kaminsky zur Welt. Sein Vater war kein Unbekannter: Als Fälscher für die Résistance und Anticolonialist prägte er das moralische Rückgrat seines Sohnes entscheidend. Mit vier Jahren zog die Familie nach Frankreich, genauer gesagt nach Thiais im Département Val-de-Marne.

Dort, im berüchtigten „9.4.“, sog Rocé die goldene Ära des französischen Rap auf. Erste Aufmerksamkeit erregte er 1997 durch einen Track mit Manu Key (Mafia K’1 Fry). Doch statt den klassischen Gangsta-Rap-Weg zu wählen, entschied sich José für eine intellektuelle Schärfe, die ihn bald zum „Humanisten des Rap“ machen sollte.

Wenn Rap zur Analyse wird

Sein Debütalbum „Top Départ“ (2002) markierte den Startschuss. Mit technischer Präzision und einem Flow, der keine Schnörkel brauchte, setzte er sich von der Masse ab. Doch erst mit „Identité en crescendo“ (2006) sprengte er alle Genre-Grenzen. Gemeinsam mit der Autorin Djohar Sidhoum-Rahal und Jazz-Größen wie Archie Shepp schuf er ein Werk, das so tiefgründig war, dass es den prestigeträchtigen Prix Charles Cros gewann.

Rocés Texte sind keine bloßen Reime; sie sind soziologische Analysen. Sein Song Habitus ist so treffend, dass er es sogar in die französischen Schulbücher für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften geschafft hat. Wer kann das schon von sich behaupten?

Der Archivar der „Verdammten dieser Erde“

Nach einer längeren Pause kehrte Rocé 2018 mit einem Mammutprojekt zurück, das weit über die Musikszene hinaus Wellen schlug: „Par les damné.e.s de la terre“. Zehn Jahre lang recherchierte er, um eine Kompilation von Widerstandsliedern aus der frankophonen Welt (1969–1988) zusammenzustellen.

Er gab den Stimmen der Einwanderer, Arbeiter und antikolonialen Kämpfer eine moderne Plattform. Dieses Projekt zementierte seinen Ruf als „Passeur de mémoire“ – als Brückenbauer zwischen den Generationen und Kulturen.

Rocé
Foto: © Tosma Haristoy
Comeback und Blick in die Zukunft: Bitume & Palmier

Nach dem rauen, ehrlichen Album „Bitume“ (2023), auf dem er mit Künstlern wie Ol Kainry und Daddy Mory kollaborierte, steht nun das nächste Kapitel bevor. Für März 2026 ist sein neues Werk „Palmier“ angekündigt.

Die ersten Vorboten versprechen eine soulige Flucht aus dem grauen Alltag. Begleitet von orchestralen Violinen (Samy Bishai) und der hypnotischen Stimme von Natacha Atlas in La Voix Lactée, sucht Rocé das Licht hinter den Krisen unserer Zeit. Es geht um die „Melancholie unvollendeter Kämpfe“ und das Versprechen eines sonnigen Morgens.

Rocé Live
Foto: © Paul Jacquin
Zwischen Museum und Mikrofon: Die facettenreiche Karriere von Rocé

Rocé bleibt die moralische Instanz des französischen Hip-Hop. Er beweist, dass man politisch sein kann, ohne belehrend zu wirken, und intellektuell, ohne den Kontakt zur Straße zu verlieren. Ob als Art Director für Hotels, Kurator in Museen wie dem Centre Pompidou oder am Mikrofon im Studio von Ménilmontant – José Kaminsky ist ein Gesamtkunstwerk.

In einer Welt, die oft nur schwarz oder weiß sieht, liefert Rocé die Zwischentöne. Er ist der lebende Beweis dafür, dass Rap ein „Sport de combat“ ist, der nicht nur die Muskeln, sondern vor allem den Geist trainiert.

* Titelbild: Foto: © Michael Luppi

Diskografie:

2002

Top départ

2006

Identité en crescendo

2008

L’Être humain et le Réverbère

2013

Gunz N’Rocé

2021

Poings serrés EP

2023

Bitume

5 Songs:
Die Food'n'bass Playlist:

YouTube

Spotify

Es gibt noch keine Bewertungen. Schreibe selbst die erste Bewertung!