Imu – Die traditionelle Erdofen-Kochtechnik Hawaiis
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Imu – Die traditionelle Erdofen-Kochtechnik Hawaiis

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Das Garen im Erdofen ist eine der ältesten Kochmethoden der Welt und wird in vielen Kulturen traditionell genutzt. Eine besonders bekannte Variante ist der Imu, eine hawaiianische Technik, bei der Lebensmittel über Stunden hinweg in einem mit heißen Steinen ausgekleideten Erdloch gegart werden. Diese Methode verleiht den Speisen ein einzigartiges Aroma und sorgt für besonders zartes Fleisch. Der Imu spielt eine zentrale Rolle in der hawaiianischen Esskultur und ist bis heute ein fester Bestandteil von Feierlichkeiten und Gemeinschaftsessen.

Geschichte und Ursprung

Der Imu stammt aus der Zeit der polynesischen Entdeckung des Pazifiks. Die ersten Siedler nutzten diese Kochtechnik, da sie einfach umsetzbar und äußerst effizient war. Vor allem in Hawaii war der Imu eine gängige Methode, um große Mengen an Nahrung für die Gemeinschaft zuzubereiten.

Besonders bei traditionellen Festen wie dem Luau wurde der Erdofen genutzt, um Fleisch und Gemüse langsam zu garen. Die Methode verbreitete sich über verschiedene polynesische Inseln und wurde je nach Region leicht abgewandelt.

Wo wird die Erdofen-Methode angewandt?

Neben Hawaii ist die Erdofen-Garmethode auch in anderen Teilen der Welt verbreitet. In Neuseeland nutzen die Māori den Hangi, bei dem Fleisch und Gemüse in einem Erdloch mit heißen Steinen gegart werden.

In Peru ist die Pachamanca eine traditionelle Methode der Andenbewohner, bei der Fleisch und Kartoffeln in der Erde mit heißen Steinen gegart werden.

Auch in Mexiko findet man eine ähnliche Technik: Der Barbacoa-Ofen wird vor allem für die Zubereitung von Lammfleisch genutzt.

Sogar in Nordamerika nutzten einige indigene Stämme vergleichbare Methoden für die Zubereitung von Wildfleisch.

Lovo-Erdofen aus Fiji
Lovo Erdofen aus Fiji / Foto: © Jaejay77
Wie sieht ein Imu aus und wie wird er gebaut?

Ein Imu ist im Grunde ein Erdloch, das als Backofen dient. Zunächst wird eine etwa 50 cm bis 1 Meter tiefe Grube ausgehoben, deren Größe sich nach der Menge der Speisen richtet.

Anschließend werden vulkanische oder hitzebeständige Steine in der Grube platziert und mit brennendem Holz erhitzt, bis sie glühend heiß sind.

Um das Essen zu isolieren und zu schützen, werden Bananenblätter oder Palmblätter in die Grube gelegt.

Das Fleisch – traditionell ein ganzes Kalua Pig – wird dann auf die heißen Steine gelegt und mit weiteren Zutaten wie Taro-Wurzeln oder Süßkartoffeln ergänzt.

Zum Abschluss wird das Ganze mit feuchten Blättern, Sackleinen und Erde bedeckt, um die Hitze im Inneren zu halten. Der Garprozess dauert in der Regel zwischen sechs und zwölf Stunden.

Schwein im Erdofen
Schwein auf dem samoanischen Umu / Foto: © Neil
Traditionelle Gerichte aus dem Imu

Die Gerichte, die im Imu zubereitet werden, zeichnen sich durch ihre besondere Zubereitungstechnik aus, die den Zutaten ein einzigartiges Aroma verleiht. Zu den bekanntesten gehören:

  • Kalua Pig: Ein hawaiianisches Spanferkel, das mit Salz eingerieben und über Stunden langsam gegart wird.
  • Laulau: Fleisch oder Fisch, in Taro-Blätter gewickelt und im Imu gegart.
  • Pulehu: Gemüse oder Fleisch, das direkt auf heißen Steinen gegrillt wird.
Vorteile des Erdofen-Garens

Die Erdofen-Methode bietet zahlreiche Vorteile. Durch das langsame Garen bei niedriger Temperatur bleibt das Fleisch besonders zart und saftig.

Gleichzeitig verleiht das Garen mit heißen Steinen den Speisen ein einzigartiges Raucharoma.

Zudem ist die Methode äußerst nachhaltig, da keine modernen Energiequellen benötigt werden – lediglich Holz, Steine und Erde.

Ein weiterer Vorteil ist der gemeinschaftliche Aspekt: Die Zubereitung eines Imu ist häufig ein soziales Ereignis, das mit traditionellen Feierlichkeiten verbunden ist.

Alternative Methoden für Europa

Da ein klassischer Imu in Europa schwer umzusetzen ist, gibt es einige Alternativen.

Eine Möglichkeit ist der Dutch Oven, ein schwerer Gusseisentopf, der langsam über Kohlen erhitzt wird.

Alternativ kann ein Smoker oder BBQ-Pit verwendet werden, um mit niedrigen Temperaturen und Holz ein ähnliches Ergebnis zu erzielen.

Auch moderne Backöfen mit Räucherfunktion ermöglichen eine Annäherung an den Geschmack eines Erdofens.

Eine weitere Möglichkeit ist das Sous-vide-Garen, bei dem Fleisch bei niedriger Temperatur im Wasserbad gegart wird, um eine vergleichbare Zartheit zu erreichen.

Dutchoven
Dutchoven / Foto: Michael Frieboese

Der Imu ist weit mehr als nur eine Kochtechnik – er ist ein Symbol für Gemeinschaft, Tradition und natürliche Kochkunst. Diese Methode verbindet Kulturen auf der ganzen Welt und zeigt, dass einfache Mittel oft die besten Ergebnisse liefern. Auch wenn ein Erdofen nicht überall praktikabel ist, gibt es viele Wege, um ähnliche Ergebnisse in der heimischen Küche zu erzielen.

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