
Father
Bio- und Diskografie von Father

Musikrichtung: Hip-Hop/Rap, Trap
- Herkunftsort: Mississippi & Atlanta (Georgia, USA)
- Nationalität: USA
- Musikkarriere: seit 2011
- Offiziele Website: https://www.instagram.com/father/
Biografie:
Father: Der unkonventionelle Visionär des amerikanischen Hip-Hop
Kaum ein Künstler steht so sehr für DIY-Mentalität, kreative Freiheit und radikale Eigenständigkeit wie Father, bürgerlich Centel Orlando Mangum. Als Rapper, Produzent und Gründer des legendären Indie-Kollektivs Awful Records hat er in den 2010er-Jahren eine eigene Ästhetik geschaffen, die weit über Atlanta hinaus Wellen geschlagen hat.
Zwischen minimalistischem Trap, Deadpan Flow und einer unverwechselbaren Coolness entwickelte Father einen Sound, der gleichzeitig roh, humorvoll, experimentell und absolut einzigartig wirkt. Seine Karriere ist die Geschichte eines Künstlers, der nie dem Mainstream hinterherlief – sondern lieber seine eigene Welt baute.
Anfänge in Atlanta – und der Aufbau eines Kult-Kollektivs
Geboren 1990 in Mississippi, zog Mangum im Alter von zehn Jahren nach Atlanta – eine Stadt, die später zum Dreh- und Angelpunkt seiner Kreativität werden sollte.
Während seines Pharmazie-Studiums an der Georgia State University lernte er die Künstler kennen, die später das Fundament von Awful Records bilden sollten. Aus zufälligen Sessions, WG-Fluren und chaotischen Home-Studios entstand 2011 ein Kollektiv, das den Underground der Stadt nachhaltig verändern sollte.
Erst 2013 begann Father, seine Tracks auf SoundCloud hochzuladen – und traf sofort einen Nerv. Sein 2014 erschienener Hit „Look at Wrist“ mit ILoveMakonnen und Key! ging viral und katapultierte ihn und Awful Records ins Rampenlicht. Im gleichen Jahr folgte das Mixtape „Young Hot Ebony“, das bis heute als einer der wichtigsten Untergrundreleases des Jahrzehnts gilt.
Der Aufstieg – minimalistisch, radikal und kompromisslos
2015 veröffentlichte Father überraschend sein Debütalbum „Who’s Gonna Get Fucked First? – ein Projekt, das mit seinem aggressiv-minimalistischen Sound Ästhetikgrenzen sprengte. Pitchfork lobte die rohe Produktion, die genau den Raum ließ, den Father für seine rhythmischen Spielereien und seinen monotone-trockenen Flow brauchte.
Ein Jahr später folgte „I’m A Piece of Shit“, ein Album, das introspektiver wirkte und inhaltlich einen Schritt weg vom exzessiven Lifestyle des Vorgängers machte. Nach der 2016 Tour verlor Father kurzzeitig die kreative Inspiration, zog nach Los Angeles und arbeitete an dem nie veröffentlichten Album „Mad as Hell“.
Major-Ausflug, Adult Swim & Rückkehr zu den Wurzeln
2018 ging Awful Records eine Partnerschaft mit RCA Records ein – ein seltenes Beispiel dafür, wie ein Underground-Label und ein großer Major gemeinsame Sache machen. Im selben Jahr erschien Fathers Major-Debüt „Awful Swim“, produziert in Zusammenarbeit mit Adult Swim.
Doch die Liaison blieb kurz: 2020 trennten sich Awful und RCA wieder. Father entschied sich bewusst für einen Rückzug ins Unabhängige und stellte klar, dass Awful Records nie als klassisches großes Label geplant war. Der Fokus lag wieder auf ihm selbst – und auf Freiheit.
Während der Pandemie kehrte er nach Atlanta zurück und veröffentlichte die EP „Tha Thingz I Do 4 Money“, auf der ein komplett neuer Stil zum Vorschein kam: autotune-lastig, melodisch und überraschend gefühlvoll. Das fünfte Studioalbum „Come Outside, We Not Gone Jump You“ setzte diese Linie fort – weniger Moshpit, mehr Slowdance, ohne die typische Father-Nonchalance zu verlieren.

Young Hot Ebony 2 – die Rückkehr des Originalsounds
Mit einer Reihe von Singles kündigte Father 2022 schließlich „Young Hot Ebony 2“ an – die lang erwartete Fortsetzung seines Kult-Mixtapes. Das Album erschien am 10. Juni 2022 und brachte ihn zurück zu seinem klassischen, trockenen, tiefen Rapstil. Unterstützung kam von langjährigen Wegbegleitern wie Zack Fox, Meltycanon, Archibald Slim und Tony Shhnow.
Es fühlte sich an wie eine Hommage an seine Anfangstage – und gleichzeitig wie ein neues Kapitel.
„Patricide“ – Fathers düsterstes und kühnstes Projekt
Mit seinem 2025 erschienenen Album „Patricide“ betritt Father eine völlig neue Soundwelt. Der nur 22 Minuten kurze, aber unglaublich atmosphärische Release verbindet die düsteren Trip-Hop-Visionen der 90er mit Fathers unverkennbarer Atlanta-DNA. Inspiriert von Klassikern wie Massive Attack – Mezzanine oder Tricky – Maxinquaye, lässt Father auf Patricide eine Welt entstehen, die zwischen nebligen Bristol-Beats, industrialartigen Sounds und seinem trockenen, hypnotischen Rapstil schwebt.
Der Opener „My chain is cursed“ arbeitet mit demselben Billy-Cobham-Sample, das Massive Attacks bekanntem Safe From Harm zugrunde liegt – doch Father bricht die Struktur auf und schafft daraus etwas komplett Eigenes. Tracks wie „Silly rabbit, when you met me I was slime“ folgen dieser experimentellen Linie, während „It was by design“ wieder zurück zu seinen rauen Atlanta-Roots führt.
Trotz seiner Kürze wirkt „Patricide“ wie eines seiner kraftvollsten Werke bisher – dicht, kompromisslos, voller Details und genau der Beweis dafür, warum Father zu den spannendsten und visionärsten Künstlern des alternativen Hip-Hop gehört.
Father & Deutschland: Eine besondere Verbindung
Deutschland spielt in Fathers Karriere eine überraschend wichtige Rolle. Seine Europa-Shows, besonders in Berlin, Köln und Hamburg, haben ihm eine treue Fanbase beschert, die seinen alternativen, experimentellen Hip-Hop schon früh gefeiert hat.
Während viele US-Rapper kaum außerhalb ihrer Heimat unterwegs sind, suchte Father bewusst die Nähe zum europäischen Publikum – und fand in Deutschland eine Community, die seinen DIY-Spirit versteht und seine minimalistisch-rohe Ästhetik liebt.
Ein weiteres Highlight seiner Verbindung zur deutschen Musikszene ist sein Auftritt bei Colors Studios in Berlin. Die Performance von “HEARTTHROB” wurde am 31. August 2016 veröffentlicht, sammelte über 1,1 Millionen Views und zählt bis heute zu den beliebtesten Alternativ-Rap-Momenten des Formats. Der cleane, farbintensive Look von COLORS passte perfekt zu Fathers entspannter, deadpan-ähnlicher Delivery – ein Match, das seinen internationalen Ruf weiter verstärkte.
Zwischen Atlanta und Experiment: Fathers musikalische Welt
Father steht für alles, was modernen Hip-Hop spannend macht: Mut zum Experiment, eine DIY-Kultur, die größer wurde als geplant, und die Weigerung, sich anzupassen. Sein Einfluss auf Underground-Rap, auf die SoundCloud-Ära und auf Artists wie Playboi Carti oder Faye Webster ist längst unüberhörbar.
Ob monotone, ironisch gebrochene Trapflows oder melodische, autotune-getränkte EPs – Father bleibt ein Künstler, der sich immer wieder neu erfindet und gleichzeitig seiner Linie treu bleibt. Genau diese Mischung macht ihn zu einer festen Größe der alternativen Rap-Szene und zu einem der spannendsten Künstler seiner Generation.
* Titelbild: Foto: © Father
Diskografie:
2014
L1L D1DDY EP
2014
Young Hot Ebony Mixtape
2014
Boys & Girls Club EP
2015
Who’s gonna Get Fucked First?
2015
Papicodone EP
2016
I’m A Piece of Shit
2018
Awful Swim
2019
Hu$band EP
2020
Come Outside, We Not Gone Jump You
2022
Young Hot Ebony 2 Mixtape
2023
Hu$band 2 EP
2025
Patricide
5 Songs:
Die Food'n'bass Playlist:
Spotify
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