EABS aus Polen
Jazz,  Polen,  Europa

EABS

Bio- und Diskografie von EABS
Polen - Food & Music
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Musikrichtung: Jazz, Hip-Hop
Biografie:
EABS: Die polnische Jazz-Revolution zwischen Hip-Hop-Roots und galaktischen Visionen

In den letzten zehn Jahren erlebte die globale Jazzszene eine massive Frischzellenkur. Von Los Angeles über London bis hin nach Chicago holte eine neue Generation von Musikern das Genre aus den verstaubten Nischen zurück in das grelle Licht des Mainstreams. Mittendrin in dieser Renaissance, als einer der spannendsten Exporte unserer Zeit: das Breslauer Kollektiv EABS.

EABS Band
Foto: © Facebookseite EABS
Von der Dekonstruktion zur neuen Identität

Gegründet wurde die Band 2011 in Wrocław (Breslau). Ihr Fundament legten die Musiker bei den legendären „Electro-Acoustic Beat Sessions“ im mittlerweile geschlossenen Club Puzzle. Dort, im Dunstkreis von Improvisation und urbanen Beats, entstand ihre Philosophie: „Reconstruction from Deconstruction“.

Seit 2012 arbeiten Marek Pędziwiatr und seine Mitstreiter daran, Klassiker vergangener Jahrzehnte komplett zu zerlegen und auf den Trümmern einen Sound zu errichten, der die Grenzen zwischen Jazz, Hip-Hop, Soul und Funk auflöst.

Der Komeda-Triptychon: Ein Denkmal wird neu besetzt

Den großen internationalen Durchbruch feierte die Band 2017 mit ihrem Debütalbum Repetitions (Letters to Krzysztof Komeda). Anstatt die Werke der polnischen Jazz-Legende einfach nur nachzuspielen, injizierten EABS dem Material eine ordentliche Dosis Hip-Hop-Attitüde und soziopolitische Relevanz.

Es folgte ein regelrechter Hype: Die Erstauflage war innerhalb von sechs Wochen ausverkauft, und Größen wie Gilles Peterson (BBC Radio 6) feierten den Sound weltweit. Mit zwei weiteren Veröffentlichungen krönte die Band diese Ära zum sogenannten „Komeda-Triptychon“ und festigte ihren Ruf als wichtigste Stimme des modernen polnischen Jazz.

Slawische Geister und kosmische Expeditionen

Nach der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit richteten die Musiker ihren Blick nach innen – und dann weit nach oben. Auf dem Album Slavic Spirits (2019) suchte die Band nach der „slawischen Melancholie“ und interpretierte die fast vergessene Kultur ihrer Vorfahren. Doch dabei blieb es nicht. Inspiriert von der Philosophie des Afrofuturismus-Pioniers Sun Ra, starteten EABS ihr eigenes „Polish Space Program“.

Während des Lockdowns entstand Discipline of Sun Ra, eine tiefe Reflexion über Metaphysik und Eskapismus. Mit dem Nachfolger 2061 reiste die Band schließlich endgültig in die Zukunft. Angelehnt an Arthur C. Clarkes Space-Odyssey-Saga, schufen sie einen Soundtrack für einen Film, der erst noch gedreht werden muss – eine musikalische Antwort auf eine Welt im Ausnahmezustand.

EABS Band
Foto: © Facebookseite EABS
Globale Fusion: Von Polen nach Pakistan

Dass EABS keine Grenzen akzeptieren, bewies 2023 die Zusammenarbeit mit der pakistanischen Band Jaubi. Auf dem Album In Search of a Better Tomorrow verschmelzen futuristischer Jazz aus Breslau mit traditionellen Klängen aus Lahore. Tabla und Sarangi treffen auf eine druckvolle Brass-Section und spacige Synthesizer. Diese internationale Kollaboration wurde vom Guardian als eines der besten Alben weltweit des Jahres 2023 ausgezeichnet.

EABS Jazz
Foto: © Facebookseite EABS
Zurück zu den Wurzeln: Reflections of Purple Sun

Aktuell kehrt das Quintett mit Reflections of Purple Sun (2024) zu seinen Wurzeln zurück. Diesmal nahmen sie sich das legendäre Album Purple Sun von Tomasz Stańko vor. Ohne Gastmusiker, dafür mit einer tiefen Konzentration auf Rhythmus und den „slawischen Geist“, beweisen EABS erneut, dass sie das Erbe des polnischen Jazz nicht nur verwalten, sondern aktiv in die Zukunft peitschen.

Archäologen des polnischen Sounds

Wer EABS hört, begibt sich auf eine Ausgrabung. Die Band nimmt den Spaten in die Hand, gräbt tief in der polnischen Musikgeschichte und fördert Schätze zu Tage, die unter Schichten von Staub und Vergessenheit lagen. Dass sie diese Fundstücke nicht im Museum ausstellen, sondern mit Hip-Hop-Beats und Synthesizern ins aktuelle Jahr katapultieren, macht sie zu den spannendsten Künstlern unserer Zeit. Man hört sie nicht nur – man erlebt, wie Geschichte plötzlich wieder atmet.

* Titelbild: Foto: © Zuza Gąsiorowska

Diskografie:

2016

Puzzle Mixtape

2017

Repetitions (Letters to Krzysztof Komeda)

2018

Repetitions (Letters to Krzysztof Komeda) Live

2018

Kraksa / Svantetic EP

2019

Slavic Spirits

2020

Discipline of Sun Ra

2022

2061

2023

In Search of a Better Tomorrow

2024

Reflections of Purple Sun

5 Songs:
Die Food'n'Bass Playlist:

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