
Chan Chan – Die kubanische Hymne, die aus einem Traum entstand
Musikrichtung: Salsa, Rumba, Son cubano, Bolero
- Titel: "Chan Chan"
- Länge: ca. 3:44 min
- Erscheinung: 1986
- Produzent: Compay Segundo & Eliades Ochoa
- Album: "Yo vengo aquí" (1996)
Wie vier Noten aus einem Traum zur globalen Kuba-Hymne wurden
Manche Songs entstehen im Studio. Manche durch jahrelanges Feilen. Und manche – wie „Chan Chan“ – erscheinen einem Musiker einfach im Schlaf.
So erzählt es Compay Segundo, der legendäre Son-Meister aus Santiago de Cuba:
„Ich habe Chan Chan nicht geschrieben. Ich habe es geträumt.“
An einem Morgen im Jahr 1986 erwacht Compay mit einer Melodie, so klar, als würde sie bereits irgendwo auf den Straßen Havannas gespielt. Vier einfache, aber magische Noten – und dazu die Erinnerungen an ein kubanisches Volksmärchen seiner Kindheit: Juanita und Chan Chan, zwei Figuren aus der ländlichen Folklore im Osten Kubas.
Kurz darauf ist der Song geboren. Und er beginnt seine Reise – langsam, fast heimlich. Erst Jahre später wird er zur internationalen Hymne, die Millionen Menschen mit Kuba verbindet.
Ein Lied wie ein Spaziergang durch den Osten Kubas
„Chan Chan“ ist mehr als Musik – es ist ein akustischer Spaziergang durch die Region Holguín, das ländliche Herz des kubanischen Ostens. Schon die erste Zeile malt eine Landkarte:
„De Alto Cedro voy para Marcané,
De Marcané llego a Cueto,
De Cueto voy para Mayarí.“„Von Alto Cedro gehe ich nach Marcané,
von Marcané komme ich nach Cueto,
von Cueto gehe ich nach Mayarí.“
Diese Orte gibt es wirklich. Man sieht förmlich die staubigen Wege, die kleinen Dörfer, das Leben zwischen Zuckerrohr und Sonne.
Es ist ein Lied über Sehnsucht – über Chan Chans unerreichbare Liebe zu Juanica, einer Frau, die er begehrt, aber niemals ganz erreichen kann. Eingebettet in eine Melodie, die gleichzeitig sanft, melancholisch und voller Wärme ist.
Vom Geheimtipp zum Welthit
1980s – Die ersten Schritte
Compay Segundo singt den Song zuerst in kleinen Clubs. Überall behalten die Menschen sofort die Melodie – ein Zeichen dafür, dass hier etwas Besonderes entstanden ist.
Später nimmt er den Titel mit Eliades Ochoa auf, einem weiteren großen Namen des kubanischen Son.
1997 – Der Durchbruch
Dann kommt der Moment, der alles verändert:
Ry Cooder holt Compay, Ochoa, Ibrahim Ferrer und weitere Musiklegenden ins Studio – das Projekt Buena Vista Social Club entsteht.
Der erste Track des Albums?
„Chan Chan“.
Gesungen von Eliades Ochoa, begleitet von Compays markanter zweiter Stimme, Congas, Trompete und dem warmen Klang des Tres.
Der Song wird zum Herzstück des Albums – und zum Symbol einer Generation kubanischer Musiker, deren Kunst fast in Vergessenheit geraten wäre.
1999 – Der Film bringt den Mythos endgültig zum Leben
Wim Wenders’ Dokumentarfilm Buena Vista Social Club bringt „Chan Chan“ auf die internationalen Bühnen – und in die Herzen von Menschen, die Kuba vielleicht noch nie zuvor besucht haben.
Seither gilt der Song als inoffizielle Visitenkarte der kubanischen Musik.
Was „Chan Chan“ so magisch macht
Vier Noten, die sich sofort ins Gedächtnis brennen
Eine melancholisch-warme Melodie, die gleichzeitig traurig und tröstend klingt
Ein Rhythmus, der die Wurzeln des Son Cubano in ihrer reinsten Form zeigt
Eine Geschichte über Liebe, Reisen und das einfache Leben
Eine legendäre Entstehungsgeschichte – aus einem Traum geboren
Das Stück ist minimalistisch und doch kraftvoll. Kein Schnickschnack, kein überladener Sound – nur Klang, Gefühl und die Kraft kubanischer Tradition.
Ein globales Kulturerbe – und ein ewiger Klassiker
„Chan Chan“ gehört heute – gemeinsam mit Klassikern wie „Guantanamera“ und „El Manisero“ – zu den bekanntesten Liedern Kubas.
Es wurde zahllose Male gecovert – von den Gipsy Kings, Jazzmusikern, Salsa-Bands, Rappern und klassischen Ensembles. Doch keine Version trägt so viel Seele wie die originale Aufnahme.
Die Food'n'Bass Playlist:
YouTube
Spotify
Es gibt noch keine Bewertungen. Schreibe selbst die erste Bewertung!
Das könnte dich ebenfalls interessieren

Petit Pays – Eine Liebeserklärung an die verlorene Heimat
27. Dezember 2025
Ice Ice Baby – Der Hit, der eigentlich Queen gehörte
2. Juli 2025